Fjordwoche und Europachampionat 2012 in Krumke

 

 

Normalerweise findet die Fjordwoche ja in für Schleswig-Holsteiner nahezu unerreichbaren Regionen statt – um so mehr, wenn sie in der letzten Ferienwoche liegt. Aber diesmal waren es nur 250 Kilometer – Grund genug, einen Familienausflug in die Altmark von langer Hand zu planen.

 

Am Nachmittag des 28. Juli erreichten wir dann mit unseren Fjordpferden Ingvar und Tabja die Reitanlage in Krumke bei Osterburg. Langgestreckte Fachwerkgebäude, in denen sich die Stallungen und eine kleine Reithalle (20 x 40) befinden, ein großer Sandplatz, weitläufige Flächen, auf denen sich bereits ein paar Zelte befanden – der Ort des Geschehens versprach beim ersten Eindruck bereits einiges. Dazu kam ein sehr großer Grasplatz, auf dem vornehmlich gesprungen wurde, aber den lernten wir erst später kennen.

 

Unsere Fjordpferde bezogen zwei nebeneinander liegende Boxen, an die sie sich nach anfänglicher Skepsis schnell gewöhnten. Immerhin gab es darin ständig Heu und saubere Einstreu, womit man sich vom anstrengenden Fjordwochenprogramm erholen konnte… Im Stall herrschte ein gutes Klima und die Vierbeiner waren vor der für Schleswig-Holsteiner ungewohnten Sommerwärme geschützt. Und wenn der Sandpaddock gerade mal frei war, konnten sie sich dort die Beine vertreten. Bald waren die Ställe mit Fjordpferden und netten Leuten bevölkert, bei allen herrschte gute Stimmung.

 

Es gab genug zu tun für die Pferde. Das wunderschöne Gelände rund um die Anlage lud zu ausgedehnten Ausritten ein – Sandwege, Wald, Stoppelfelder, so weit man reiten konnte, und nirgends Reitverbote! Wenn es irgendwie ging, waren Ingvar und ich stundenlang unterwegs – Dressur reiten kann man auch zu Hause, wo uns nur die immer gleichen Runden der näheren Umgebung zur Verfügung stehen. Am Dienstag ritt auch eine offizielle Fjordwochen-Gruppe aus neun Reitern ins Gelände, mangels ortskundiger Begleitung per GPS-Handy navigiert von Fabienne auf ihrem Hengst Sandro.

 

A propos Hengst: Während der Fjordwoche war etwa jedes dritte auf der Anlage anwesende Fjordpferd ein Hengst. Je näher das Turnier rückte, desto größer wurde ihr Anteil. Und alle benahmen sich einwandfrei, waren völlig friedlich und fielen in der Gruppe nicht als Machos auf.

 

Zurück zu den Aktivitäten der Fjordwoche: Es gab fast keine fjordpferdegestützte Aktivität, die dort nicht angeboten wurde: Ein Fahrkurs für Wiedereinsteiger fehlte ebenso wenig im Angebot wie Paarreiten, Zirkuslektionen und die bereits erwähnten Ausritte, und wer sich gezielt auf eine Prüfung beim Turnier vorbereiten wollte, hatte bei Lehrgängen für Dressur, Springen und Allroundparcourshindernisse die Gelegenheit dazu. Auch die Standardprüfung für Fjordpferde wurde angeboten und diesmal auch von allen teilnehmenden Fjordpferden bestanden.

 

In der Mitte der Woche wurde es in zunehmendem Maße voller auf der Anlage: Die skandinavischen Teilnhmer des Europachampionats trafen nach und nach ein. Den Anfang machte ein Hengst aus Finnland, dann kamen Norweger, Schweden und sehr viele Dänen. Insbesondere die Dänen fielen durch einheitliche rote Poloshirts mit Fjordpferdeverbands-Emblem, ständiges Mitführen des Danebrogs und ihre mannschaftliche Geschlossenheit als Gruppe auf, die wie eine Nationalmannschaft wirkte: Leistungen der Landsleute wurden lautstark bejubelt, und dazu bestand auch guter Grund: Es hätte in den meisten Prüfungen schon enormen Könnens bedurft, um vor den dänischen Reitern platziert zu sein – kein Wunder also, dass bei der abschließenden Siegerehrung die dänische Nationalhymne sehr oft gespielt und von den Dänen laut mitgesungen wurde. Eine Frage bleibt offen: Wieso ist Königin Margarethe eigentlich nach London zu den Olympischen Spielen gefahren und nicht nach Krumke zur Fjord-EM?! Sie hat einiges verpasst, was sie gefreut hätte…

 

Wie lief es nun für unsere Schleswig-Holstein-Mannschaft?

 

Von der ersten Minute an waren wir beteiligt: Die ersten Starter der ersten Prüfung auf dem Dressurplatz waren Ingvar und ich. Das erwies sich gleich als ungünstig, denn Ingvar kommt nur langsam auf Touren und wäre gern noch etwas länger abgeritten worden. Er gab sich alle Mühe, machte keinen Fehler und wurde im Protokoll als „sehr gehorsames Pony“ bezeichnet, aber es reichte nur für eine 5,6. Swantje und Tabja gelang die Dressuraufgabe deutlich besser, was man erst recht von Ursula und Nele behaupten kann: In sicherer Anlehnung auf präzise gerittenen Linien unterwegs erreichten die beiden als erste eine Wertnote mit einer Sieben vor dem Komma, die nur von einem Teilnehmer übertroffen wurde. So hatten wir schon einmal zwei Mannschaftsmitglieder in der Siegerehrung: Ursula auf Platz 2 und Swantje auf dem 5. Platz. Übertroffen wurde dieses schon sehr erfreuliche Ergebnis dann am folgenden Tag von Kathi und Sören, die in der Western-Variante ihre Gegner deklassierten und eine 7,5 erhielten. Das ist an sich schon eine tolle Leistung und sie bekommt noch mehr Gewicht, wenn man weiß, dass Kathi bei diesem Ritt noch an den Folgen eines dramatisch aussehenden Sturzes beim Aktionsparcours litt. Alle Achtung!

 

In der Mittagszeit ging es dann weiter mit dem Caprillitest, der beim Fjordcup keine von der FN vorgefertigte Aufgabe, sondern im Wesentlichen einen Springparcours mit wenigen Dressurelementen darstellt. Da er diesmal Bestandteil des Europachampionats Springen war, wurde er nach Altersklassen getrennt und mit erhöhten Anforderungen ausgeschrieben, was Kathi und Ursula von einer Nennung absehen ließ. Folglich trugen Swantje und ich die Hoffnungen der Mannschaft.

 

Zunächst ging das übersichtliche Starterfeld der Junioren auf den Parcours. Swantje und Tabja ritten eine harmonische fehlerfreie Runde, die nur deshalb „nur“ mit 6,9 bewertet wurde, weil die beiden im Eifer des Gefechts nicht abgewartet hatten, dass der Richter den Start per Glockensignal freigab. Damit war sie aber immer noch die beste deutsche Starterin in dem deutlich dänisch dominierten Feld.

 

Ingvar und ich hatten weniger Erfolg. Der letzte Sprung war ein rot-weißer E-Oxer, den Ingvar sich an diesem Tag nicht zutraute. Wir schieden aus und verließen demoralisiert den Parcours. Die spätere Erkenntnis, dass uns genau diese Wertnote zum Sieg fehlte, machte es nicht gerade leichter, mit dem Misserfolgserlebnis umzugehen.

 

Immerhin zeigten wir im Kombiparcours wieder eine Leistung, derer wir uns nicht in Grund und Boden schämen mussten und die mit 6,6 bewertet wurde. Allerdings waren alle anderen aus der Mannschaft wieder besser als wir. Nele, die sich beim Trainingstag noch mit dem Windbruch schwergetan hatte, stiefelte nun souverän über die Stangen, Swantjes Grundnote von 7,3 wurde nur durch einen kleinen Hindernisfehler geschmälert und Kathi und Sören zeigten einen vorbildlichen Ritt ohne Fehler und erhielten eine 7,9, mit dem sie den 2. Platz belegten. Auch hier durften zwei von uns, nämlich Kathi und Swantje, an der Ehrenrunde teilnehmen.

 

Fazit: Ingvar und ich, diesmal meilenweit von unserer Bestform entfernt, konnten diesmal nur die Streichergebnisse beisteuern. Dagegen hat sich Nele, gekonnt vorgestellt von Ursula, zu einem Dressurpony mit Potenzial entwickelt und überdies in den zwei Wochen seit dem Trainingstag erhebliche Fortschritte im Allroundparcours gemacht. Swantje und Tabja, die Vielseitigsten der Mannschaft, werden mehr und mehr zu einem starken, universell einsetzbaren Team und zeigen ihre besten Leistungen, wenn es Hindernisse jeder Art zu überwinden gilt. Besonders hervorzuheben sind aber Kathi und Sören, die auch ohne Trainingstag und mit dem Handicap des Sturzes in ihren Disziplinen zu Spitzenleistungen in der Lage waren. Dank dieser drei haben wir es geschafft, die sonst sieggewohnten Hessen hinter uns zu lassen und den 2. Platz zu verteidigen.

 

Also: Lasst uns fleißig üben und schon mal das Schleswig-Holstein-Lied auswendig lernen – beim nächsten Fjordcup sind wir ganz vorn!

 

Antje Kock

 

 

Interessengemeinschaft Fjordpferd e.V. - Regionalgruppe Schleswig-Holstein / Hamburg